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Welche Maske trägst Du?

 

"Eine Maske erzählt mehr als ein Gesicht" (Oscar Wilde)

 

Es gibt Schönheitsmasken, Corona-Masken, LED-Masken, Karnevalsmasken…sogar Rapper mit Masken (wie z.B. SIDO) oder Filmrollen mit Masken (Scream, Zorro, Batman…). Irgendetwas hat die Maske an sich, das die Menschen anzieht. Sie hat etwas Mystisches oder sogar Furchteinflössendes und gleichzeitig zum Teil etwas Bezauberndes oder Faszinierendes.


Maskenbälle waren schon im Mittelalter beliebt. Und sie waren der reichen  und gehobenen Gesellschaft vorbehalten (Ärmere hätten sie sich niemals leisten können).
Die Masken dienten wohl dazu, sich ein Spiel daraus zu machen, die Identität des Gegenübers zu erraten. Es war einerseits also die Möglichkeit, endlich mal etwas Leichtigkeit und Spass ins Leben zu bringen, andererseits wohl aber auch, der sonstigen Identität für einen Abend zu entfliehen. Denn die Regeln und Konformität der obersten Gesellschaftsschichten war sehr streng und kaum zu durchbrechen. Der Grossteil des Lebens war fremdbestimmt: wo man wohnte, welche Kleidung man trug, welche Aufgaben man hatte, wen man heiratete, usw. Sicherlich ging es auf den Bällen aber auch um das Kostüm und die Maske an sich (sehen und gesehen werden). Wer hatte das schönste Kostüm, die teuerste Verkleidung? Nicht selten wurden bei solchen Abenden auch Morde verübt, weil sich hier jeder gut verstecken konnte.

 

Masken sind Teil eines Sich-Versteckens, das wir auch auf der emotionalen und psychischen Ebene kennen.


Eine Scham, ein Tabu, eine Unsicherheit…und schon meinen wir, das verstecken zu müssen. Wir wähnen uns hinter der Maske in Sicherheit, die Maske ist sozusagen ein ganz bestimmter Kontrollmechanismus. Da wir alle Schattenseiten haben und uns früh antrainiert wurde, was erwünschtes Verhalten ist und was in der Gesellschaft belohnt wird, kommt es in fast jedem Leben zu „Persönlichen Masken“, mit denen wir uns als Person nach aussen hin selbst „kreieren“. Mit Person ist das Aussenbild/die Aussenerscheinung, im Beruflichen „Das Profil“, gemeint.
Interessant ist die Wortherkunft des Wortes „Person“: So ist damit in der ursprünglichen lateinischen Bedeutung (Persona) tatsächlich die „Maske des Schauspielers; Bühnenrolle; Person, Persönlichkeit“, gemeint. Oder auch das Laute Ertönen und Erschallen (von lat. personare - per = durch, sonare = tönen, erschallen).


Die Person drückt also das aus, was nach aussen hin laut sichtbar und hörbar sein soll, wie sie offen-sichtlich wahrgenommen werden will. Doch zwischen den Zeilen, die feinen Töne, die können ganz anders klingen.

 

Sensible Menschen können das wahrnehmen. Sie spüren, wenn die lauten Töne (das laute Gerede) nicht mit den leisen Tönen und der inneren Frequenz eines Menschen übereinstimmt.

 

In der Psychologie reden wir in diesem Fall von Inkongruenz, die Teile sind also nicht deckungsgleich. Gerade Kinder haben da ganz feine Antennen dafür. Sie spüren es deutlich, wenn ein Mensch nach aussen hin anders spricht oder tut als er eigentlich innerlich für stimmig hält.

 

Die Stimmigkeit von innen und aussen macht am Ende unsere Wahrhaftigkeit und Integrität aus. Stimmen Deine Gedanken, Emotionen, Worte und Handlungen mit Deinen Werten, Deiner inneren Wahrheit überein?
Es ist nicht immer leicht, das herauszufinden. Die meisten Menschen machen sich darüber nicht einmal Gedanken. Sie haben das noch nie reflektiert. Dabei könnte das ihr Leben verändern.


Die eigene Wahrheit zu entdecken und abzugrenzen von dem, was im Aussen erwartet wird, wäre ein erster wichtiger Schritt in Richtung Erfüllung auf dem eigenen Lebensweg.

Denn alle wollen Glück und Erfüllung und vergessen dabei, dass jeder Erfolg, der auf fremden Werten und Erwartungen oder auf einer Maske beruht, sich innerlich nur schal, leer und langweilig anfühlen kann. Er kann nicht glücklich machen. Und das erleben gerade auch viele Menschen in Führungspositionen.


Ich habe beispielsweise in einigen Podcasts von Dieter Lange, dem Top-Führungskräfte-Trainer im deutschsprachigen Raum genau das gehört: die Top Manager und Spitzensportler, die er coacht, sind super erfolgreich! Aber gleichzeitig zum Teil richtig unglücklich. Ihnen ging es am Beginn ihrer Karriere um Status, Ansehen und Anerkennung. Das alles haben sie erreicht, aber dafür mussten sie viele Masken aufsetzen, viele Erwartungen erfüllen, und viele Illusionen aufrechterhalten. Und das kostet sehr viel Energie! Sie sind z.B. gezwungen, als Manager:in eine harte Fassade aufzubauen, den weichen und empathischen Teil dahinter zu verschanzen, denn nur so können sie knallhart verhandeln und in der Wirtschaftswelt funktionieren.

 

Eine Fassade ist aber gleichzeitig auch eine Mauer, starr und unverrückbar. Was soll in so einem Menschen noch schwingen und klingen?

 

Ein starrer Mensch entwickelt unweigerlich irgendwann Krankheitssymptome, denn wo der Körper nicht mehr schwingungsfähig ist, kann er sich nicht mehr selbst regulieren und in Balance bringen.


Sicherlich ist es in einer Leistungsgesellschaft und globalisierten Welt, in der Social Media unsere Kinder „mit-erzieht“, eine anspruchsvolle Aufgabe, Menschen dabei zu unterstützen, ihre Masken zu erkennen und abzulegen. Gleichzeitig ist es sehr erfüllend zu sehen, was zum Vorschein kommt, wenn die Maske fallen darf: Echtheit, Zartheit, Verletzlichkeit, Werte und echte Liebe. Menschen, die keine Masken tragen, sind nicht korrumpierbar (und daran mangelt es uns vor allem in den Führungsetagen der Gesellschaft). Sie haben kein Interesse daran, auf Kosten anderer irgendwelche Masken noch weiter aufzupolieren.


Und das bringt wahrhaftige innere Sicherheit: Denn wenn Menschen echt und integer sind, womit kann man sie dann verletzen, was kann man ihnen wegnehmen?


Masken machen Dich auf eine Art also schutzbedürftig. Sie machen Dich angreifbar. Du musst ständig auf der Hut sein, dass Dein wahres Ich, Dein wahres Gefühl, Deine darunterliegenden Gefühle, für die Du Dich schämst oder die Du wegdrückst, zum Vorschein kommen und entdeckt werden. Nur ein Mensch mit Masken kann „sein Gesicht verlieren“ oder?


Gerade bei berühmten Menschen sprechen wir manchmal auch vom „Image“. Hier ist die Maske eben auch etwas, das ein Bild zeichnet. Ein Bild ist leider auch unveränderlich. Ein Image ist sehr leicht verletzbar, denn es strengt wahnsinnig an, dieses äussere Bild ständig aufrechtzuerhalten. Es ist ungefähr so als müsstest Du die ganze Zeit ein Bild von Dir herumtragen, das keinen einzigen Kratzer abbekommen darf. Wieviel Prozent Deiner Aufmerksamkeit würdest Du benötigen, um dauernd auf das Bild aufzupassen und daran zu denken, wie Du es halten musst, damit es heil bleibt? Ziemlich viel vermutlich!


Masken führen zu Verhaltensmustern, die starr machen.


Masken führen zu bestimmten personentypischen Verhaltensweisen. Habe ich z.B. ein tiefes Gefühl von Unzulänglichkeit und muss ich das mit einer Maske übertünchen so werde ich daraus bestimmte Verhaltensmuster bilden (meist schon früh in der Kindheit), um dieses Gefühl zu überdecken. Beispielsweise besonders lautes und selbstbewusstes oder dominantes Auftreten, Ausbildung von Stolz oder Unnahbarkeit, Besserwisserei…
Das Problem bei diesen Mustern ist, dass sie uns starr machen. Wir reagieren dann immer so, obwohl es ganz oft nicht angebracht ist. Unser Handlungsspielraum und „Fühlspielraum“ verkleinert sich.

 

Die Energie kann nicht mehr frei fliessen. Und schon haben wir damit die nächsten Blockaden aufgebaut, die langfristig krank machen. Gleichzeitig müssen wir das wahre Gefühl immer schön verdrängen (was zusätzlich Energie kostet) und auch noch das sekundäre Gefühl: nämlich dass wir uns für einen Hochstapler halten oder das Gefühl haben, andere zu belügen. Ein Teufelskreis.


Die gute Nachricht ist: Masken können wir ablegen und dafür ist es nie zu spät!
Folgende Fragen und Überlegungen können Dir dabei helfen:

  • Welche Konditionierungen aus Deiner Kindheit prägen Dich heute noch?
  • Für was schämst Du Dich zutiefst? Was darf die Aussenwelt auf keinen Fall entdecken? Welche Maske ist daraus entstanden?
  • Welches Gefühl unterdrückst Du seit Jahr(zehnt)en?
  • Was wäre das Schlimmste, was andere an Dir aufdecken könnten? Was denkst Du würde dann passieren?
  • Welche Masken trägst Du in Deiner Funktion als Mutter oder Vater? Welches Geheimnis oder welches Verhalten darf Dein Kind nicht sehen? 


 

Jugendliche spielen mit Masken


Es gibt eine Zeit, in der die Entwicklung der eigenen Identität noch nicht abgeschlossen ist. Zwischen den Jahren des Kindes und des Erwachsenseins ist es völlig okay, verschiedene Masken und Persönlichkeiten auszuprobieren. Darin dürfen wir unsere Kinder ermutigen. Aber sie profitieren auch in ihrer Identitätsausbildung stark von Erwachsenen und Vorbildern, die frei von Masken sind oder sich zumindest ihrer noch vorhandenen Masken bewusst sind. Denn das Spiel mit den Masken ist auch immer ein Spiel mit dem Selbst. Wer nicht aufpasst verliert den inneren Kern völlig.


Was bedeutet das für die Erziehung?


Erwachsene, die sich darüber bewusst sind, wann und wodurch sie Masken fördern und konditionieren, können jedes Mal auch bewusst entscheiden, ob sie das wollen oder ob sie dem Kind die Freiheit zugestehen, sich frei auszudrücken und zu fühlen.
Beispielsweise konditionieren wir oft Masken und Verhaltensmuster, wenn wir Jungs nicht erlauben, Schwäche zu fühlen oder zu weinen, oder wenn wir Kindern sagen: „Stell dich nicht so an“ oder „Benimm dich bitte“…

 

Das bedeutet nicht, dass ich jedes Verhalten tolerieren muss, im Gegenteil. Aber es gibt einen klaren Unterschied ob ich meinem Kind meine eigene Grenze kommuniziere und dabei von meinen echten Gefühlen spreche oder ob ich dem Kind sage, „so benimmt man sich nicht.“ Denn das eine hat einen Bezug zu meiner Integrität und das Kind lernt daraus, sich selbst anderen gegenüber echt und integer zu zeigen. Das zweite ist einfach nur ein Bezug zum Kollektiv und seinen Erwartungen. Im ersten Fall wird das Kind sich ernst genommen fühlen, im zweiten Fall wird es sich fremdbestimmt und unter Druck gesetzt fühlen. Wir haben die Wahl zwischen Menschlichkeit oder Regeln.


In meinem Herzkompass© gibt es mehrere Karten, die das Ablegen von Masken und die Entwicklung von Wahrhaftigkeit unterstützen. Damit können Dich diese Techniken auf einem authentischen Weg stärken. Mehr dazu findest Du hier:


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